Mal ganz was anderes…
Reformationswand

Die Reformatoren: John Wycliff

So wie Michael Air Jordan den Basketball prägte, oder Pele den Fußball bereicherte und viele durch ihr Können beeindruckt haben, anders war es auch nicht in der Kirchengeschichte. Die Gabe der Reformatoren, lag weniger in ihren Händen oder Beinen, sondern in ganz anderen Bereichen. Große Persönlichkeiten haben alle eins gemeinsam: Sie haben enormen Einfluss auf andere.

Wycliffes ersten Lebensjahre

John WycliffMan könnte ihn auch als den Reformator vor der Reformation bezeichnen. Er lebte nämlich nicht in dem Zeitraum, der von Historikern als das Zeitalter der Reformation bezeichnet wurde. Geboren wurde er um das Jahr 1330 in Yorkshire in England. Über seine Kindheit oder Jugend ist wenig erhalten geblieben. 1360 wurde er Student am Balliol College in Oxford. Im Alter von 30 Jahren begann sein Wirken, als Reformator vor der eigentlichen Reformation. Wycliff war ein geachteter Mann. Er hatte gute Verbindungen zu den Reichen und Einflussreichen seiner Zeit, aber er kämpfte auch unerschütterlich für das einfache Volk und machte sich zum Fürsprecher für das Recht jedes Menschen, Gott persönlich zu kennen und eine innige Beziehung zu ihm aufzubauen.

Schwierige Zeiten trieben ihn

Im Jahre 1349 wurde England von einer tödlichen Seuche heimgesucht. Als der schwarze Tod, die Pest, sich 1353 wieder aus dem Land zurückzog, hatte England fast die Hälfte seiner Bevölkerung verloren. Dies verursachte einige Unterbrechungen in seiner Ausbildung, zudem musste Wycliff verzweifelt mit ansehen, wie viele seiner Freunde und Studienkollegen der tödlichen Krankheit zum Opfer vielen. Indessen forschte er in der Bibel nach Antworten und Trost, um gegen die Angst und Verzweiflung ankämpfen zu können. In dieser Zeit hielt er sich sehr eng an das Wort Gottes, was in ihm ein festes und unerschütterliches Fundament bildete, wovon er in seinem späteren Leben noch mächtig von profitieren würde. Wichtig zu vermerken ist auch, dass bis zu diesem Zeitpunkt es noch keine englischen Bibeln gab. Nur die gut ausgebildeten Männer der römisch-katholischen Kirche, waren imstande sie zu lesen. Das Volk war abhängig von den heidnisch-mystischen Erzählungen der Priester, von denen viele, selbst nie in der Bibel gelesen haben. Das Denken der Priester, war von dem Wunsch nach Reichtum und Wohlstand geprägt, sodass sie ihre Aussagen nach dem Stand ihres Gegenüber richteten. Jeder Dienst der Kirche musste in Bar bezahlt werden.

Wycliff der Gelehrte

Wycliff galt als anerkannter Gelehrter und deshalb bekam er eines der besten Häuser Oxford als Domizil angeboten. Zu dieser Zeit, besaßen die wenigsten die Möglichkeit auf dem Campus zu wohnen. Neben seiner Gabe des Lehrens, besaß er daneben erstaunliche organisatorische Fähigkeiten. 1369 erwarb er den akademischen Grad “Bachelor of Divinity”(Gelehrter der Theologie). 1371 galt er als führender Theologe und Philosoph seiner Zeit und Oxford war als die Hochburg der Wissenschaft in ganz Europa bekannt.1372 erhielt Wycliff nach 16 Jahren intensiven Studiums und ausführlicher Forschungstätigkeiten den jochgeachteten Doktortitel.

In der Kirche läuft es nicht mit rechten Dingen zu

Wycliff empörte sich über die Gier der katholischen Kirche nach dem Reichtum. Diese Empörung wurde immer bekannter. Er glaubte, dass die katholische Kirche tief in Sünde lebte und stellte sich entschieden gegen jeden Anspruch der päpstlich kontrollierten Kirche. Ferner begann er öffentlich darauf hinzuweisen, dass die Kirche verweltlicht sei und niemandem mehr etwa nütze. Ebenso war auch der Papst über Wycliff empört. Der Papst und die Kirche, legten zu dieser Zeit die Steuern fest, die Könige und ganze Nationen zu zahlen hatten. Zudem stellte sich Wycliff, einer ihrer besten Theologen, gegen ihre eigenen Bestrebungen.

Durch die Beziehung erkenne ich mehr und mehr

Seine Stärke  lag darin, dass er der Heiligen Schrift in allen Dinge folgte. Durch regelmäßiges Bibellesen und ausführlichen Studien, wuchs sein Wissen und seine Erkenntnis, über die Aussagen des Wortes Gottes, die schrittweise zu einer persönlichen Offenbarung wurden. Dadurch erkannte er, dass von der katholischen Kirche entwickelte System im Wiederspruch zur Heiligen Schrift stand. Viele Sakramente und Dogmen brandmarkte er als heuchlerische Äußerlichkeiten oder Irrlehren. Das religiöse System seiner Zeit war allein darauf ausgerichtet, die Gier nach Geld, Macht und Kontrolle zu befriedigen.

Anfechtungen

Offensichtlich war es, dass der Papst dies nicht so einfach hinnehmen würde. Aus Rom wurden Bullen( offizielle päpstliche Dokumente) gegen Wycliff entsandt. Außerdem tadelte der Papst die Leitung der Universität von Oxford. Mit zusätzlichen Drohungen versuchte er, Wycliff und alle die seinen Standpunkt vertraten einzuschüchtern. Dies blieb jedoch erfolglos. Die gesamte Universität stellte sich hinter Wycliff.

Wycliff vs Papst und Kirche

Wycliff wurde erneut vorgeladen. In einem Gericht in Lambeth, musste er Stellung zu den Vorwürfen gegen den Papst beziehen. Eine große Menge an Priestern, Bischöfen und Sympathisanten hatten sich eingefunden. Wycliffs Aussagen und Thesen wurden von Seiten der Katholischen Kirche als Irrlehren gebrandmarkt. Er jedoch, unbeeindruckt von den Anklagen blieb ruhig und unerschütterlich und machte seinen Standpunkt nochmals unmissverständlich klar. Das Gericht war nach seinen Aussagen sprachlos. Wichtig ist zu vermerken, dass bis zu diesem Zeitpunkt noch niemals ein Mensch die Autorität des Papstes öffentlich in Frage gestellt hatte. Wycliff wurde wütend von seinen Gegnern angeschrien. Johanna von Kent, die verwitwete Mutter des Königs von England, ließ dem Gericht in Lambeth mitteilen, dass es ihm verboten sei Wycliff zu verurteilen. Durch das Eingreifen von Johanna von Kent zugunsten Wycliff wurden ihre Anhänger in Angst versetzt. Die katholische Kirche wusste nicht, was sie mit Wycliff tun sollten.

Kirchliches Durcheinander

Die Kirche war stark mit innerkirchlichen Auseinandersetzungen beschäftigt, sodass Wycliff zunächst in Ruhe gelassen wurde. Über den Amtssitz des Papstes wurde gestritten. 1309 war er von Rom nach Frankreich verlegt worden, was auf den politischen Einfluss des französischen Königs zurückzuführen war. Er wollte nicht länger Steuern an den Papst entrichten und war der Meinung, er könne stärkere Kontrolle über den Papst ausüben wenn sich dessen Amtssitz in seinem Einflussbereich befände. Die Katholiken bezeichneten diesen Zustand als “Babylonische Gefangenschaft”.

Papst Gregor XVI zog im Jahre 1376 zurück nach Rom. Zwei Jahre später waren die Katholiken immer noch gespalten und wählten zwei Päpste. Einen für Avignon in Frankreich und einen für Rom. Beide Päpste beanspruchten für sich selbst, unfehlbar zu sein und exkommunizierten den jeweils anderen. Dieser Zustand wurde als das ” Große Schisma” des Abendlandes bezeichnet. Die katholische Kirche versuchte diese Unruhe, teils auf Wycliff abzuschieben. 39 Jahre lang gab es zwei Päpste an zwei verschiedenen Orten.

Fortsetzung folgt !

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