Der Große Mann im kleinen Haus Teil 3

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Die Straßenlaternen gingen eine nach der anderen aus und man hörte noch leise das Gemurmel und die Tritte der Polizisten, die zuvor die Frau hatten verhaften wollen. Der junge König Lionel und die Frau standen noch immer mitten auf der Straße, als alle Lichter nun endlich erloschen und nur ein einziges über einem kleinen, braunen Holzhaus übrig blieb. Die Frau lächelte verlegen und sagte: ,, Das ist mein Haus, da wo das Licht übrig geblieben ist‘‘ ,, Wenn das nicht ein Zeichen ist‘‘, erwiderte der König und lächelte ebenso. Sie drehten sich beide um und gingen hinein. Das Haus war wirklich sehr klein, so wie die junge Frau es vorausgesagt hatte, es lag zudem auch viel Müll und Papier überall herum und es schien als hätte man dort drinnen lange nicht mehr aufgeräumt. Dicke Staubschichten bedeckten die Schränke und die Matratze roch nach Schimmel. ,,Hier leben Sie? ‘‘ fragte Lionel als sie erwiderte: ,, Samantha, ich heiße Samantha ja und hier lebe ich. Ich bin sehr einsam und habe Mutter und Vater verloren. Um mich über Wasser zu halten stehle ich und verkaufe mich in der Prostitution. Das kleine Haus hier gehörte einst dem alten Bürgermeister der Stadt Heartvillage, aber dieser verließ die Stadt, weil er von den Bürgern abgelehnt und ausgestoßen wurde.

Da sich ohne hin niemand für mich interessierte und mein Wohnen in seinem alten Haus keinem aufgefallen wäre, begann ich hier drin zu leben. Ich kann mich noch sehr daran erinnern, als er weinend die Stadt verließ. Es dauertenicht mal ein, zwei Tage als deutlich zu spüren war, dass die Gegenwart des Bürgermeisters die Stadt verlassen hatte, ‘‘ unterbrach ihn Samantha. Lionel sah sich um und machte es sich auf dem kaputten Bett gemütlich, während er ihr zuhörte.

Dabei erblickte er eine kleine Schatulle, die seine Aufmerksamkeit gewann. ,,Was ist da drin, darf ich mal sehen‘‘ Samantha wurde ganz rot und senkte ihre Augen, und obwohl Sie versuchte ihre Scham hinter ihren Haaren zu verbergen, gelang es ihr nur sehr schwer, da ihr die Nervosität buchstäblich ins Gesicht gedruckt schien. Sie wirkte sehr eingeschüchtert: ,,Warum schämst du dich‘‘ fragte sie der junge König nochmal und bewegte seine Hand langsam zur Schatulle. Samanthas Miene zog sich nach unten und ihr ganzes Gesicht verkrampfte sich. ,, Ich werde die Schatulle erst aufmachen, wenn du mir sagst, was sich in ihr verbirgt, das verspreche ich dir‘‘, lächelte der junge König sie an. Samantha setzte sich auf den Stuhl querüber vom Bett und fing leise an zu erzählen: ,, Das sind die Adressen- und Namen derer, die ich beklaut habe.

Ich habe enorm viele Fehler gemacht und mein Umfeld und mich sehr verletzt, das tut mir leid, aber ich habe keinen, der mir hilft. Ich schrieb das alles Mal auf in der Hoffnung, es eines Tages wieder zurückzahlen und gut machen zu können. ‘‘ Man merkte ihr an, dass sie über alles sehr verletzt und traurig war. Die letzten Jahre hatten Sie sehr mitgenommen und das hatte Spuren auf ihrem einst so hübschen Gesicht hinterlassen. Während sie so erzählte, tat der junge König etwas ganz Erstaunliches: Er begann Samanthas kleines Haus aufzuräumen.

Samantha erzählte und erzählte, ohne überhaupt zu merken, dass Lionel die ganze Zeit aktiv war, bis er schließlich sagte: ,, Ich danke dir sehr dafür, dass du mir vertraust und mir das alles offen und ehrlich sagst. Du hast nichts verschwiegen und mir alles wie ein offenes Buch dargelegt. Denke nicht, ich höre dir nicht zu .Es ist nur so, dass ich denke, du hast ein schöneres Zuhause verdient, als das, in welchem du gerade wohnst. Aber umziehen oder die Stadt verlassen, ist nicht immer die beste Lösung. Vielmehr möchte ich dir beibringen, dass du aus deinem kleinen Reich hier einen Palast schaffen kannst, in dem nicht nur du, sondern auch andere sich wohlfühlen und erkennen werden, dass du dich verändert hast.‘‘ Samantha saß einfach verdutzt da, weil in dieser Art und Weise schon lange keiner mehr mit ihr geredet hatte.

Jedes Wort war geprägt von Liebe und Geduld. Wer war dieser junge Mann und woher kam er? Lionel räumte auf und nach ca. 4 Stunden sah die Wohnung tipp topp gepflegt aus, sodass man die Staubpartikel nur noch auf Lionels Mantel erkennen konnte. Immer noch stand er da und lächelte, als hätte sich die Sonne selbst im Zimmer niedergelassen. Samantha kamen allmählich die Tränen und sie krümmte sich und fiel zu Boden. Es schien, als wäre eine Last von ihr abgefallen und zum aller ersten Mal nach so langer Zeit war Sie wieder in der Lage, Frieden in ihrem Innern zu spüren. Ein Frieden, wie ihn die Welt nicht geben konnte, und der sich wie eine Decke auf Ihr Herz legte. Lionel kniete sich nun neben sie und sprach leise in ihr Ohr: ,, Sie sind wirklich was Besonderes Miss Samantha.

Sie haben mir vertraut und mir die Türe geöffnet, dann haben Sie mir nicht nur von Ihrem Leben erzählt, sondern vielmehr auch all Ihre schlechten Eigenschaften und Fehler gebeichtet. Aber am meisten hat mich berührt, dass Sie mich ihr Haus aufräumen ließen und mir vertrauten, dass ich es wieder richten könnte. In der Stadt, aus der ich komme, kennt man keine Dunkelheit und Bosheit, man kennt nur Licht und Liebe. Als ich meine Reise antrat, begegnete ich im Zug vielen Menschen, die sich nicht vorstellen konnten, was ich denn nun hier tun würde. Alle rieten Sie mir ab, Heartvillage zu besuchen, aber mich hatte diese Stadt schon immer fasziniert.‘‘,, Wieso das?‘‘ entgegnete Samantha verwirrt, ,, Ganz einfach, weil es so tolle Menschen gibt wie Sie, die gerettet werden müssen. Sie haben so viel Potenzial und manchmal bedarf es nur einer Person, die den Lichtschalter wieder anmacht.

Alleine aus diesem Grunde hat es sich gelohnt, die lange Reise auf mich zu nehmen. Ich bin mir sicher, dass Sie von nun an auch ein Licht für die Stadt und Ihre Nachbarn sein werden und Ihnen helfen, ihre Lichtschalter zu finden und zu aktivieren. ‘‘ Samantha strahlte und bedankte sich vom ganzen Herzen bei dem König. ,, Was kann ich für Sie tun junger Mann, Sie sind so gut zu mir? ‘‘ Lionel überlegte nicht lange, kramte ein wenig in seinem Koffer und holte eine durchlöcherte Vase raus. Er setzte ein Teelicht in sie und zündete es an. Er blickte Sie ganz fest an und sagte: ,, Meine Reise ist noch nicht ganz beendet, es gibt noch einiges zu sehen und zu entdecken, aber da sie mich aufgenommen haben, möchte ich ihnen anhand dieses Geschenks als Erinnerung bleiben.

Sehen sie diese Vase? Sie hat nicht umsonst Löcher, sie ist ein Symbol für jeden Menschen. Menschen sind fehlerhaft und brauchen Hilfe, aber die Kerze im Inneren erinnert uns daran, dass jeder in seinem Inneren einen Schatz verborgen hat, der aufflammt. Hüten sie nicht nur die Vase, sondern viel mehr die Flamme in ihr, sodass jeder, der ihr Haus betritt, von Wärme und Licht empfangen wird, und es soll ein Bund zwischen mir und ihnen sein.‘‘ Nach diesem Gespräch wurden Sie sehr müde und schliefen ein, der junge König auf dem Boden und Samantha in ihrem jetzt frischen, reinen Bett. Am nächsten Morgen bedankte sich Samantha nochmals und spürte nun selbst, dass es Zeit war, Abschied zu nehmen.

Der junge König seufzte kurz, nahm dann wieder seine Koffer und bewegte sich langsam Richtung Türe. Samanthas Wohnung war plötzlich so schön und sauber. Das helle Teelicht brannte in leuchtenden Flammen auf. Eine einzige Begegnung macht so viel aus, eine Persönlichkeit beeinflusst die andere und ein Leben erfährt Erneuerung und Wiederherstellung. Lionels Reise war zwar noch nicht beendet, hatte sich, aber schon vollkommen gelohnt und ausgezahlt. Samanthas Leben hatte von neuem begonnen und eins war klar: Hätte Sie nicht im richtigen Moment zur richtigen Zeit den jungen König in ihr Haus eingeladen, hätte Sie nicht die Dinge erlebt, die Sie erlebt hat. Was lernen wir aus der Geschichte? Wenn wir Gott in unserem Leben einladen, erfahren wir tiefe Heilung und Reinheit, er beflügelt uns mit seinem gütigen Wesen und verändert uns von innen heraus. Er kennt und liebt unser Herz.

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